KS West e.V.
KS West e.V.
News
15.11.2021

Technische Revolution dank Forschung

Ein neu entwickelter Seilroboter soll künftig über mehrere Stockwerke umfangreiche Maurerarbeiten erledigen. Diese völlig neue Lösung für die Bauwirtschaft wurde am 27. Oktober 2021 an der Universität Duisburg vorgestellt und von der Forschungsvereinigung Kalk-Sand e.V. gemeinsam mit Forschenden der Universität Duisburg-Essen (UDE) und des Instituts für Angewandte Bauforschung Weimar entwickelt.

Foto: © UDE/Birte Vierjahn - Der Seilroboter in Duisburg erinnert in seiner Funktionsweise sowie Beweglichkeit an Kameras, die an Seilen ge-spannt, in Fußballstadien das Spielgeschehen mit Abstand und aus unterschiedlichen Perspektiven aufzeigen.
Foto: © UDE/Birte Vierjahn - Der Seilroboter in Duisburg erinnert in seiner Funktionsweise sowie Beweglichkeit an Kameras, die an Seilen gespannt, in Fußballstadien das Spielgeschehen mit Abstand und aus unterschiedlichen Perspektiven aufzeigen.

Trotz allgemein zunehmender Digitalisierung weist der Mauerwerksbau in Deutschland einen geringen Automatisierungsgrad bei Baustellenprozessen auf. Innerhalb weniger Pilotanwendungen werden zwar schon programmgesteuerte mobile Roboter eingesetzt, die auf Bodenplatten oder Geschossdecken Mauerwerk fertigen können, jedoch sind diese Systeme auf das reine Mauern beschränkt und müssen aufwändig zwischen Geschossen eines Bauwerks transportiert und neu eingerichtet werden. Eine ganzheitliche Lösung zur konsequenten Automatisierung und Digitalisierung möglichst vieler Prozessschritte sieht sicherlich anders aus! Das soll der neu entwickelte Seilroboter nun ändern.

Etwa zwei Jahre haben die Fachleute aus Robotik und Bauwesen an diesem Prototyp getüftelt. Ein an Stahlrahmen und Seilen befestigter Roboter schwebt über dem Gebäude, holt selbstständig Kalksandsteine vom Lagerplatz, legt sich präzise den benötigten Mörtel vor und versetzt die Steine vollautomatisch – was heute noch wie ein Utopie klingt, soll bald Wirklichkeit sein.

Mauern, schleppen, mörteln – noch nie war es so einfach! Und nicht nur das! Der Einsatz von Seilrobotern birgt noch weitere Vorteile. So können große Bauvolumina - auch bei komplexen Geometrien - in kürzester Zeit errichtet werden. Der Seilroboter mauert aus handelsüblichen Kalksandsteinen eine ganze Etage – und das innerhalb weniger Stunden. Und er kann noch mehr: Steine in unterschiedlichen Formaten versetzen, Stürze einziehen und die automatische Bemörtelung übernehmen. Grundlage ist ein digitaler Plan, das sogenannte BIM-Modell. Dessen digitale Daten werden an den Roboter geschickt.

Seilroboter stellen somit einen innovativen und vielversprechenden Ansatz bei der Digitalisierung und Automatisierung des Mauerwerksbaus dar. Sie ermöglichen Produktivitätszuwächse in den Bauunternehmen, wirken dem Fachkräftemangel entgegen und stellen die sachgerechte Verarbeitung der Baumaterialien auch in Zukunft sicher. Bis der Roboter allerdings Marktreife erreicht hat, muss sich die Baubranche noch ein wenig gedulden.        

Finanziell unterstützt und gefördert wird das Projekt über das Programm „Digitalisierung der Bauwirtschaft und innovatives Bauen“ vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Auch von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) kommt Unterstützung.